Deutsche Altstadtgasse am Abend mit Kürbislaternen auf den Fensterbänken und einer Kirchturmspitze im Hintergrund
KI-generierte Illustration
Events • 8 Min. Lesezeit

Halloween in Deutschland: seit wann, wie, und wer am 31. Oktober frei hat

9. September 2026 • von Max H. & Philip S., NerdSip Research Team

Zusammenfassung
Kurz erklärt: Halloween wird in Deutschland erst seit den 1990er-Jahren breit gefeiert, verbreitet vom Einzelhandel, von importierten Filmen und von den stationierten US-Streitkräften. Halloween selbst ist kein Feiertag. Der 31. Oktober ist aber der Reformationstag und in neun Bundesländern gesetzlich frei, der 1. November ist in fünf weiteren Ländern Allerheiligen und dort ein stiller Feiertag mit Tanzverbot. Berlin und Hessen haben an beiden Tagen keinen Feiertag. Rübengeister, Räbeliechtli und Martinssingen zeigen, dass der Haustür- und Laternenbrauch hier alles andere als fremd ist.
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Kurz erklärt: Halloween wird in Deutschland erst seit den 1990er-Jahren breit gefeiert. Verbreitet haben es der Einzelhandel, importierte Filme und die stationierten US-Streitkräfte. Halloween selbst ist kein Feiertag, aber der 31. Oktober ist der Reformationstag und damit in neun Bundesländern gesetzlich frei. Der 1. November ist in fünf weiteren Ländern Allerheiligen und dort ein stiller Feiertag mit Tanzverbot. Zwei Bundesländer, Berlin und Hessen, haben an beiden Tagen nichts davon.

Halloween ist in Deutschland kein altes Fest, sondern ein sehr junges, und es sitzt auf einem Datum, das schon vergeben war. Das macht den 31. Oktober hier interessanter als in Irland oder in den USA, wo niemand über ihn streiten muss.

Seit wann gibt es Halloween in Deutschland?

Breit gefeiert wird es seit den frühen 1990er-Jahren. Davor kannten die meisten Halloween ausschließlich aus amerikanischen Filmen und Serien, und geschnitzte Kürbisse standen höchstens auf dem Balkon von Leuten mit Verwandtschaft in den Staaten.

Drei Kräfte haben es verbreitet. Der Einzelhandel, der eine leere Stelle im Kalender zwischen Erntedank und Weihnachten füllen konnte. Die Popkultur, über Filme, Serien und später über das Internet. Und die in Deutschland stationierten US-Streitkräfte, deren Wohngebiete am 31. Oktober schon lange vorher so aussahen wie eine amerikanische Vorstadt.

Damit ist Halloween in Deutschland jünger als das kommerzielle Internet. Wer heute vierzig ist, hat es als Kind hier nicht gefeiert.

Die Karnevals-Geschichte, und wie belastbar sie ist

Eine Erzählung taucht in fast jedem deutschen Halloween-Artikel auf: 1991 fiel der Karneval wegen des Golfkriegs aus, der Kostüm- und Partybranche brach ein ganzes Geschäft weg, und ein PR-Berater des Fachverbands Karneval habe daraufhin Halloween gezielt als Ersatzgeschäft beworben.

Die Geschichte stammt von Dieter Tschorn, dem PR-Berater selbst, und sie ist gut erzählt. Sie erklärt allerdings weniger, als sie zu erklären scheint. Ein Brauch setzt sich nicht durch, weil eine Branche ihn bewirbt, sondern weil genug Leute mitmachen wollen. Behandeln Sie sie als das, was sie ist: die Darstellung eines Beteiligten, nicht ein belegter Gründungsakt.

Der Reformationstag: das besetzte Datum

Der 31. Oktober erinnert an Martin Luthers Thesenanschlag von 1517 und ist in neun der sechzehn Bundesländer ein gesetzlicher Feiertag. In den fünf ostdeutschen Ländern schon lange, in vier norddeutschen erst seit 2018, als Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ihn eingeführt haben.

Bundesland31. Oktober (Reformationstag)1. November (Allerheiligen)
Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, ThüringenFeiertagkein Feiertag
Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-HolsteinFeiertag (seit 2018)kein Feiertag
Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarlandkein FeiertagFeiertag, stiller Feiertag
Berlin, Hessenkein Feiertagkein Feiertag

Praktisch heißt das: In neun Ländern haben Sie am Halloween-Tag frei, in fünf am Morgen danach, und in Berlin und Hessen an keinem von beiden. Für eine Party ist das der wichtigste Satz dieses Textes.

Allerheiligen, und warum die Party früher endet als gedacht

In Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland ist Allerheiligen am 1. November nicht nur frei, sondern ein stiller Feiertag. Für stille Feiertage gelten Tanzverbote und Einschränkungen für öffentliche Veranstaltungen. Die genauen Zeiten legt jedes Land selbst fest und sie unterscheiden sich deutlich.

Für Halloween ist das relevant, weil die Party am Abend des 31. Oktober beginnt und nach Mitternacht in den geschützten Tag hineinläuft. In diesen fünf Ländern kann eine Veranstaltung deshalb um Mitternacht enden müssen, während sie in Berlin oder Leipzig weiterläuft. Wer eine öffentliche Feier plant, sollte die Feiertagsregelung seines Landes nachschlagen, nicht die des Nachbarlands.

Was es hier vorher schon gab

Der Eindruck, Halloween sei ein rein amerikanischer Import ohne heimische Entsprechung, stimmt so nicht. Drei Bräuche waren längst da.

Rübengeister

Geschnitzte Rübenlaternen mit Gesicht, in Teilen Deutschlands und Österreichs lange vor dem Kürbis. Die deutsche Laterne ist damit älter als die amerikanische, sie wurde nur nie vermarktet.

Räbeliechtli

Die Schweizer Verwandtschaft, mit Umzügen im November, die bis heute stattfinden. In Richterswil ziehen dafür jedes Jahr Zehntausende zusammen.

Martinssingen

Am 11. November ziehen Kinder mit Laternen singend von Tür zu Tür und bekommen etwas dafür. Derselbe Brauch, elf Tage später, nur ohne Kostüm und ohne Drohung.

Dazu kommt der Rummelpott in Norddeutschland an Silvester und das Sternsingen im Januar. Der Haustürbrauch ist in Deutschland also alles andere als fremd. Neu ist nur die Verpackung.

Süßes oder Saures: die ungeschriebenen Regeln

Weil der Brauch hier jung ist, sind die Regeln weniger eingespielt als in den USA. Was sich eingebürgert hat:

  • Geklingelt wird dort, wo dekoriert ist. Ein Kürbis oder eine Lichterkette an der Tür ist das Signal. Häuser ohne Deko lässt man aus, und das gilt zunehmend als verbindlich.
  • Die Zeit ist der frühe Abend. Etwa von 17 bis 20 Uhr, danach klingelt man nicht mehr.
  • Das Saure bleibt Theorie. Streiche gehören rhetorisch dazu und praktisch nicht. Sachbeschädigung ist auch am 31. Oktober Sachbeschädigung.
  • Der Spruch heißt „Süßes oder Saures". Regional hört man auch „Süßes, sonst gibt's Saures".

Wie verbreitet ist Halloween in Deutschland wirklich?

Deutlich verbreiteter als vor zwanzig Jahren, aber weit entfernt von amerikanischen Verhältnissen. Der Handel meldet jedes Jahr Umsatzzuwächse bei Deko, Kostümen und Süßigkeiten, gleichzeitig bleibt Halloween in weiten Teilen des Landes ein Kinder- und Partyabend ohne die flächendeckende Straßenkultur, die es in den USA hat.

Auch die Kritik ist geblieben. Kirchengemeinden weisen auf die Konkurrenz zum Reformationstag und zu Allerheiligen hin, und der Vorwurf, es handle sich um ein reines Handelsfest, taucht jeden Oktober zuverlässig wieder auf. Beides ist nachvollziehbar. Beides hat den Brauch nicht aufgehalten.

Zum Weiterlesen

Die vollständige Geschichte des Abends, von Samhain bis zum Reimport nach Europa, steht in Ursprung und Geschichte von Halloween. Warum der Abend überhaupt überlebt hat, erklärt Warum feiern wir Halloween. Die geprüften Zahlen und Kuriositäten stehen in 50 Halloween-Fakten, die Fragen für den Abend selbst in den 50 Halloween-Quizfragen, und auf der Halloween-2026-Seite gibt es ein kostenloses Quiz mit einer eigenen Deutschland-Runde.

Häufig gestellte Fragen

Seit wann gibt es Halloween in Deutschland?

Breit gefeiert wird Halloween in Deutschland erst seit den frühen 1990er-Jahren. Davor kannten es die meisten nur aus amerikanischen Filmen. Verbreitet haben es der Einzelhandel, die Popkultur und die in Deutschland stationierten US-Streitkräfte. Damit ist der Brauch hier jünger als das kommerzielle Internet.

Ist Halloween in Deutschland ein Feiertag?

Halloween selbst nicht. Der 31. Oktober ist aber der Reformationstag und als solcher in neun Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag: in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie seit 2018 in Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. In Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland ist stattdessen Allerheiligen am 1. November frei. In Berlin und Hessen ist keiner der beiden Tage ein Feiertag.

Gilt an Halloween ein Tanzverbot?

Nicht am 31. Oktober selbst, aber in fünf Bundesländern am 1. November. Allerheiligen ist in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland ein stiller Feiertag mit Tanzverbot und Einschränkungen für öffentliche Veranstaltungen. Die genauen Zeiten legt jedes Land selbst fest. Weil eine Halloween-Party nach Mitternacht in diesen Tag hineinläuft, kann sie dort früher enden müssen als anderswo.

Stimmt die Geschichte, dass Halloween wegen des ausgefallenen Karnevals nach Deutschland kam?

Sie stammt von Dieter Tschorn, einem PR-Berater des Fachverbands Karneval, der erzählt, er habe Halloween 1991 gezielt beworben, nachdem der Karneval wegen des Golfkriegs abgesagt worden war. Es ist eine gute und oft zitierte Geschichte, aber die Darstellung eines Beteiligten und kein belegter Gründungsakt. Ein Brauch setzt sich nicht durch, weil eine Branche ihn bewirbt, sondern weil genug Menschen mitmachen.

Was sind Rübengeister?

Geschnitzte Rübenlaternen mit Gesicht, wie sie in Teilen Deutschlands und Österreichs lange vor dem Kürbis üblich waren. Die schweizerische Entsprechung heißt Räbeliechtli und wird bis heute in Umzügen im November getragen. Damit ist die deutsche Laterne älter als die amerikanische Kürbisvariante.

Wann klingeln Kinder an Halloween in Deutschland?

Üblich ist der frühe Abend, etwa von 17 bis 20 Uhr. Eingebürgert hat sich außerdem, nur dort zu klingeln, wo dekoriert ist: ein Kürbis oder eine Lichterkette an der Tür ist das Signal, dass Besuch erwünscht ist. Das Saure bleibt dabei Theorie, denn Sachbeschädigung ist auch am 31. Oktober Sachbeschädigung.

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