Kurz erklärt: Das Oktoberfest begann 1810 als königliche Hochzeitsfeier, endete mit einem Pferderennen und wurde im Jahr darauf wiederholt, weil es München gefiel. Bierzelte, Blasmusik und die Septembertermine kamen später. 2026 ist die 191. Auflage, vom 19. September bis 4. Oktober.
Das größte Bierfest der Welt begann als Hochzeit, bei der Bier nicht der Punkt war.
1810: die Hochzeit
Am 12. Oktober 1810 heiratete Kronprinz Ludwig von Bayern Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Bayern war seit knapp vier Jahren Königreich, von Napoleons Gnaden erhoben, und das junge Königshaus brauchte öffentliche Zustimmung dringender als eine private Feier. Also wurden die Münchner eingeladen.
Die Feierlichkeiten zogen sich über Tage und endeten am 17. Oktober mit einem Pferderennen auf einer großen Wiese vor den Stadttoren. Schätzungen sprechen von rund 40.000 Zuschauern, ein erheblicher Anteil der damaligen Münchner Bevölkerung.
Zwei Entscheidungen machten aus der Feier eine Institution. Das Rennen wurde im Folgejahr wiederholt, verbunden mit einem neuen Landwirtschaftsfest zur Förderung der bayerischen Landwirtschaft. Und die Wiese bekam den Namen Theresienwiese. Die Münchner kürzten ihn zur Wiesn, wie sie das Fest bis heute nennen.
Das 19. Jahrhundert: vom Rennen zum Volksfest
Jahrzehntelang war das Oktoberfest ein Landwirtschaftsfest mit Unterhaltung drumherum. Das Pferderennen war der Mittelpunkt, die Landwirtschaftsausstellung brachte Vieh und Maschinen. Bier wurde ausgeschenkt, aber aus kleinen Buden statt aus kathedralengroßen Zelten.
- 1818: erstes Karussell und erste Schaukeln, der Beginn der Vergnügungsseite.
- 1835: ein Trachtenzug zur Silberhochzeit von Ludwig und Therese, Vorläufer des heutigen Umzugs am ersten Sonntag.
- 1850: die Bavaria wird über der Wiese enthüllt und schaut seither auf alles herab.
- 1880: elektrisches Licht auf dem Gelände, die Zahl der Bierbuden vervielfacht sich.
- 1896: Wirte und Brauereien errichten die ersten großen Zelte, das Format, das wir kennen.
Das Pferderennen, der ursprüngliche Anlass des ganzen Fests, fand 1938 zum letzten Mal statt.
Warum ein Oktoberfest im September stattfindet
Die erste Feier lag im Oktober, weil die Hochzeit im Oktober lag. Mit dem Wachstum des Fests verschoben die Veranstalter den Beginn immer weiter nach vorn, aus einem praktischen Grund: Septembernächte in München sind wärmer, die Abende länger, und das ganze Ereignis findet auf einer offenen Wiese statt.
Heute hält eine Regel den Termin: Das Oktoberfest endet am ersten Sonntag im Oktober, verlängert bis zum 3. Oktober, falls dieser Sonntag auf den 1. oder 2. fällt, damit der Tag der Deutschen Einheit abgedeckt ist. Deshalb dauert es mal 16, mal 17 oder 18 Tage.
Jedes Jahr, in dem die Wiesn ausfiel
| Jahre | Grund |
|---|---|
| 1813 | Napoleonische Kriege |
| 1854 und 1873 | Choleraepidemien in München |
| 1866 | Deutscher Krieg |
| 1870 | Deutsch-Französischer Krieg |
| 1914 bis 1918 | Erster Weltkrieg |
| 1923 und 1924 | Hyperinflation |
| 1939 bis 1945 | Zweiter Weltkrieg |
| 2020 und 2021 | COVID-19-Pandemie |
Der bitterste Eintrag ist 1854. Eine Choleraepidemie tötete in jenem Jahr tausende Münchner, darunter Königin Therese selbst. Die Wiese, die ihren Namen trägt, blieb leer.
In den Jahren nach beiden Weltkriegen gab es kleinere Herbstfeste statt des vollen Oktoberfests, auch weil München weder Bier noch Braugerste übrig hatte.
1980: der Teil, der keine Feier ist
Am 26. September 1980 explodierte am Haupteingang des Fests eine Bombe. 13 Menschen starben, darunter der Attentäter, mehr als 200 wurden verletzt. Es bleibt einer der schwersten Anschläge der deutschen Nachkriegsgeschichte. Am Eingang steht ein Mahnmal, der Fall wurde Jahrzehnte später neu aufgerollt. Jede ehrliche Geschichte des Oktoberfests enthält ihn.
Die heutige Wiesn
Heute umfasst das Gelände rund 42 Hektar und zieht in 16 Tagen etwa sechseinhalb Millionen Besucher an. Nur sechs Münchner Brauereien dürfen ausschenken: Augustiner, Hacker-Pschorr, Hofbräu, Löwenbräu, Paulaner und Spaten. Das Bier muss innerhalb der Stadtgrenzen und nach einer stärkeren Spezifikation als Alltagshelles gebraut werden.
Ausgeschenkt wird erst, wenn der Oberbürgermeister am Eröffnungssamstag um 12 Uhr im Schottenhamel-Zelt das erste Fass anzapft und O'zapft is ruft. Seit 2010, zum 200-jährigen Jubiläum, gibt es zusätzlich die Oide Wiesn.
Die genauen Zahlen dahinter stehen in Die Wiesn in Zahlen, die komplette Bierpreisreihe seit 1949 in Die Geschichte des Wiesn-Bierpreises, und die Bräuche erklärt Die Wiesn-Bräuche erklärt.
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Häufig gestellte Fragen
Wann fand das erste Oktoberfest statt?
Am 12. Oktober 1810, als öffentliche Feier zur Hochzeit von Kronprinz Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Den Abschluss bildete am 17. Oktober ein Pferderennen auf der Wiese vor den Stadttoren.
Warum findet das Oktoberfest im September statt?
Wegen Wetter und Tageslicht. Septemberabende in München sind wärmer und länger als Oktoberabende, deshalb wurde das Fest im 19. Jahrhundert nach und nach vorverlegt. Das Ende blieb im frühen Oktober, der Name blieb ebenfalls.
Warum heißt das Festgelände Theresienwiese?
Nach Prinzessin Therese, der Braut von 1810. Der Name bedeutet schlicht Wiese der Therese. Die Münchner kürzen ihn zur Wiesn, was heute gleichbedeutend mit dem Fest selbst ist.
Wie oft wurde das Oktoberfest abgesagt?
Mehr als zwei Dutzend Mal seit 1810. Ursachen waren die Napoleonischen Kriege, Choleraepidemien 1854 und 1873, der Deutsch-Französische Krieg, beide Weltkriege, die Hyperinflation 1923 und 1924 sowie die COVID-19-Pandemie 2020 und 2021.
Seit wann gibt es die großen Bierzelte?
Ab 1896 begannen Wirte, gemeinsam mit den Münchner Brauereien die großen Zelte zu errichten. Davor gab es über Jahrzehnte kleinere Bierbuden, die sich allmählich vergrößerten.
Was ist die Oide Wiesn?
Ein historischer Festbereich, eingeführt zum 200-jährigen Jubiläum 2010, mit alten Fahrgeschäften, Blasmusik und traditionellen Zelten. Sie kehrt seither in den meisten Jahren auf einem eigenen, eintrittspflichtigen Areal zurück.
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