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Lernen • 14 Min. Lesezeit

15 Gewohnheiten intelligenter Menschen, belegt durch Forschung

25. September 2026 • von Max H. & Philip S., NerdSip Research Team

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Zusammenfassung
Die Gewohnheiten intelligenter Menschen sind klein und erlernbar: Sie sagen „Ich weiß es nicht“, fragen sich selbst ab statt nochmal zu lesen, verteilen ihr Lernen, lesen breit, stellen Nachfragen, erklären anderen, schlafen genug, argumentieren gegen sich selbst und ändern ihre Meinung, wenn die Belege es verlangen. Die beliebten Behauptungen über Nachteulen, chaotische Schreibtische und Fluchen beruhen auf schwachen oder nicht replizierten Studien.
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Die Gewohnheiten intelligenter Menschen sind unspektakulärer, als das Internet behauptet. Sie bleiben nicht nächtelang wach, sie brauchen keinen chaotischen Schreibtisch, und Fluchen beweist gar nichts. Was sie tun, immer wieder: prüfen, was sie wirklich wissen, zugeben, was sie nicht wissen, und ihre Meinung ändern, wenn die Belege es verlangen. Hier sind 15 dieser Gewohnheiten, jeweils mit der Forschung dahinter und einer kleinen Übung für heute.

Stell dir einen Abend unter Freunden vor. Jemand erwähnt, dass Kraken drei Herzen haben, und die Runde teilt sich sofort in zwei Lager. Die einen nicken, als hätten sie das schon immer gewusst. Die anderen beugen sich vor und fragen: „Moment, warum drei?“

Die zweite Person ist meistens die, die du als klug bezeichnen würdest. Nicht, weil sie mehr Fakten im Kopf hat. Sondern weil sie ein paar kleine, wiederholbare Verhaltensweisen pflegt, die Neugier in Wissen verwandeln und Wissen in Urteilskraft. Kaum eine davon braucht einen hohen IQ. Die meisten dauern keine fünf Minuten.

Kurz zur Abgrenzung: Das hier ist eine Liste von Verhaltensweisen, also im Grunde die Antwort auf die Frage, was intelligente Menschen anders machen. Wenn du einen Schritt-für-Schritt-Plan suchst, lies unseren Leitfaden Intelligenter werden. Wenn dich die ehrliche Wissenschaft interessiert, ob Erwachsene ihre Intelligenz überhaupt steigern können, lies Kann man intelligenter werden? Hier geht es darum, was klare Denker an einem ganz normalen Dienstag tun.

1. Sie sagen „Ich weiß es nicht“, ohne rot zu werden

Kluge Menschen gehen erstaunlich entspannt mit den vier Wörtern um, die die meisten von uns im Meeting vermeiden. Das ist keine gespielte Bescheidenheit. Psychologen nennen es intellektuelle Demut: das Wissen, dass die eigenen Überzeugungen falsch sein könnten.

In vier Studien aus dem Jahr 2017 haben Mark Leary und sein Team an der Duke University diese Eigenschaft gemessen und dann beobachtet, wie sich Menschen verhalten. Die intellektuell Demütigen konnten starke, faktenbasierte Argumente besser von schwachen unterscheiden. Und sie beurteilten einen Autor seltener als unehrlich oder inkompetent, nur weil sie seine Meinung nicht teilten. Demut machte die Leute also genauer, nicht zaghafter.

Heute ausprobieren: Wenn dich das nächste Mal jemand etwas fragt, bei dem du unsicher bist, sag: „Weiß ich nicht, aber so würde ich es herausfinden.“ Und achte darauf, dass niemand schlechter von dir denkt.

2. Sie fragen sich selbst ab, statt noch mal zu lesen

Nochmal lesen fühlt sich produktiv an. Die Sätze kommen dir bekannt vor, die Markierungen leuchten, und dein Gehirn flüstert: Sitzt. Es lügt.

In einem klassischen Experiment von 2006 ließen Henry Roediger und Jeffrey Karpicke Studierende kurze naturwissenschaftliche Texte lernen. Eine Gruppe las den Text viermal. Eine andere las ihn einmal und versuchte dann dreimal, ihn aus dem Gedächtnis aufzuschreiben. Eine Woche später wusste die Abruf-Gruppe noch 61 Prozent. Die Lese-Gruppe nur 40 Prozent, obwohl sie den Text insgesamt rund 14-mal durchgelesen hatte, die Abruf-Gruppe nur etwa 3-mal. Das Pikante: Die Vielleser waren sich am sichersten, dass sie sich erinnern würden.

Dieser Testeffekt gehört zu den am besten belegten Befunden der Lernforschung. Kluge Menschen klappen das Buch zu und fragen sich, was sie gerade gelesen haben. Wie du das zur Routine machst, steht in unserem Artikel Alles behalten, was du liest.

Heute ausprobieren: Nach dem nächsten Artikel oder Podcast schreibst du 60 Sekunden lang die drei wichtigsten Punkte aus dem Kopf auf. Dann vergleichst du.

3. Sie verteilen ihr Lernen über die Zeit

Pauken funktioniert, kurzfristig. Genau das ist die Falle. Was du am Sonntag reinstopfst, ist am Freitag größtenteils weg.

Eine Metaanalyse von 2006 um Nicholas Cepeda wertete 317 Experimente aus und kam zu einem klaren Ergebnis: Verteilte Lerneinheiten schlagen geballte, und zwar zuverlässig. Eine Folgestudie mit über 1.350 Teilnehmenden ging noch weiter. Der beste Abstand zwischen zwei Lerneinheiten hängt davon ab, wie lange du dir etwas merken willst. Für ein paar Wochen liegt er bei etwa einem Fünftel dieser Zeit. Für ein ganzes Jahr ist der Abstand in Tagen länger, aber als Anteil kleiner, rund 5 Prozent.

Heute ausprobieren: Nimm dir eine Sache vor, die du diese Woche gelernt hast, und trag dir eine Erinnerung ein: in drei Tagen abrufen, dann noch mal in zwei Wochen.

4. Sie lesen viel, und nicht nur über ihren Job

Kluge Menschen sind meist Leser, und das Lesen scheint echte Arbeit zu leisten. In einer Studie mit 269 Studierenden fanden Keith Stanovich und Anne Cunningham, dass die Lesemenge das Allgemeinwissen vorhersagte, selbst wenn man die allgemeinen kognitiven Fähigkeiten herausrechnete. Fernsehstunden taten das nicht.

Eine Metaanalyse von 99 Studien von Suzanne Mol und Adriana Bus zeigte 2011, dass Freizeitlesen in jedem untersuchten Alter mit Lese- und Sprachfähigkeiten zusammenhängt, und dass dieser Zusammenhang vom Kindergarten bis zur Oberstufe stärker wird. Wer liest, liest besser, dem fällt Lesen leichter, also liest er mehr. Ein leises Schwungrad.

Ehrlicherweise: Die meisten dieser Daten sind Korrelationen. Ein Teil des Effekts kommt also daher, dass belesene Menschen einfach gern lesen. Aber die Richtung der Befunde ist stimmig, und niemand hat je gezeigt, dass Lesen dümmer macht.

Heute ausprobieren: Lies einen langen Artikel über ein Thema, von dem du keine Ahnung hast. Ideen findest du in unserer Liste mit 50 interessanten Themen, die jeder lernen kann.

5. Sie stellen mehr Fragen, vor allem Nachfragen

Mit Fragen holen sich kluge Menschen das Wissen aus dem Raum. Und nebenbei, so zeigt die Forschung, werden sie damit auch sympathischer.

Ein Team um Karen Huang an der Harvard Business School zeichnete echte Gespräche zwischen Fremden auf und fand ein stabiles Muster: Wer mehr Fragen stellte, wurde vom Gegenüber mehr gemocht, und Nachfragen wirkten am stärksten. Eine Nachfrage beweist, dass du zugehört hast. Und sie bringt dich an die zweite, spannendere Schicht dessen, was jemand weiß.

Wie das im Alltag klingt, zeigt unser Artikel Wie du in Gesprächen klüger wirkst. Kurzfassung: Der klügste Mensch am Tisch ist selten der, der am meisten redet.

Heute ausprobieren: Stell im nächsten Gespräch mindestens zwei Nachfragen, bevor du deine eigene Geschichte erzählst.

6. Sie erklären Dinge anderen Menschen

Du verstehst etwas erst dann wirklich, wenn du es einem neugierigen Zwölfjährigen erklären kannst. Kluge Menschen wissen das und erklären ständig: Freunden, Kolleginnen, notfalls dem Hund.

Die Forschung gibt ihnen recht. In einer Studie von 2014 sagten John Nestojko und Kollegen einem Teil der Studierenden, sie müssten einen Text später jemandem beibringen. Den anderen sagten sie, sie würden darüber geprüft. Unterrichten musste am Ende niemand. Trotzdem erinnerten sich die angehenden „Lehrer“ an mehr, ordneten ihr Wissen besser und behielten vor allem die wichtigsten Punkte.

Eine Studie von 2018 um Aloysius Koh fand heraus, dass der größte Nutzen entsteht, wenn du ohne Notizen erklärst. Denn dann musst du das Wissen aktiv abrufen. Das ist Gewohnheit Nummer 2 in freundlicherem Gewand. Die bekannteste Methode dafür ist die Feynman-Technik.

Heute ausprobieren: Erklär jemandem etwas, das du diese Woche gelernt hast, ohne nachzuschauen. Merk dir, wo du ins Stocken gerätst. Genau das ist der Teil, den du noch nicht kannst.

7. Sie schreiben auf, um klarer zu denken

Kluge Menschen verlassen sich selten auf ihren Kopf als Speicher. Sie führen Notizen, Tagebücher, Listen und halbfertige Entwürfe. Und sie nutzen das Schreiben, um herauszufinden, was sie eigentlich denken.

Eine Metaanalyse von 56 Experimenten um Steve Graham zeigte 2020: Wer über Lernstoff schreibt, lernt in Naturwissenschaften, Sozialkunde und Mathe mehr, mit einer durchschnittlichen Effektstärke von 0,30. Das ist ein solider, moderater Effekt, genau die Sorte, die sich über Jahre aufsummiert. Einschränkung: Die Studien liefen mit Schülerinnen und Schülern, nicht mit Erwachsenen. Warum der Mechanismus mit 30 plötzlich abschalten sollte, ist allerdings nicht ersichtlich.

Heute ausprobieren: Schreib abends zwei Sätze auf: eine Sache, die du gelernt hast, und eine, die dich verwirrt hat.

8. Sie schützen ihren Schlaf

Der Mythos vom genialen Schlaflosen hält sich hartnäckig und ist größtenteils falsch. Schlafmangel trifft nicht jedes Denken gleich stark, und das Muster ist aufschlussreich.

Eine Metaanalyse von 2010 von Julian Lim und David Dinges fasste 70 Studien zu kurzfristigem Schlafentzug zusammen. Den größten Schaden nahmen die Daueraufmerksamkeit, mit einem großen Effekt auf Aussetzer (g etwa -0,78), und das Arbeitsgedächtnis. Die Genauigkeit beim logischen Schlussfolgern veränderte sich kaum. Ein müder Mensch kann also noch ein Logikrätsel lösen. Was ihm fehlt, ist die Fähigkeit, dranzubleiben, das entscheidende Detail zu bemerken und mehrere Gedanken gleichzeitig im Kopf zu halten. Und genau so sieht Intelligenz im echten Leben meistens aus.

Heute ausprobieren: Stell dir einen Wecker fürs Schlafengehen, nicht nur fürs Aufstehen.

9. Sie nehmen ihre Gedanken mit auf einen Spaziergang

Darwin hatte hinter seinem Haus einen Kiesweg, den er mehrmals am Tag ablief. Er nannte ihn seinen Denkpfad. Offenbar war er da auf etwas gestoßen.

In vier Experimenten in Stanford fanden Marily Oppezzo und Daniel Schwartz heraus, dass Gehen die kreative Ideenfindung ankurbelt, während des Gehens und noch kurz danach. In einem der Experimente fielen 81 Prozent der Teilnehmenden beim Gehen mehr kreative Verwendungen für Alltagsgegenstände ein als im Sitzen.

Zur Ehrlichkeit gehört eine Einschränkung. Die Langzeitbehauptung, Sport mache gesunde Erwachsene klüger, steht auf wackligeren Beinen, als Schlagzeilen vermuten lassen. Ein Umbrella-Review in Nature Human Behaviour von 2023 mit 109 Studien fand einen kleinen Nutzen, der nach Korrektur für Publikationsverzerrung fast verschwand. Andere Forschende widersprechen dieser Deutung, und für Körper und Stimmung ist Bewegung ohnehin gut. Der am besten belegte Grund, fürs Gehirn spazieren zu gehen, ist aber der unmittelbare: Ein festgefahrenes Problem löst sich oft zu Fuß.

Heute ausprobieren: Nimm dein schwierigstes Problem mit auf einen zehnminütigen Spaziergang. Ohne Handy, ohne Podcast.

10. Sie argumentieren gegen sich selbst

Bevor kluge Menschen sich auf eine Meinung festlegen, versuchen sie, sie umzuwerfen. Manche nennen das Steelmanning: die stärkste Version der Gegenposition bauen, nicht die schwächste.

Die Forschung dazu reicht bis zu einer Arbeit von 1984 zurück. Charles Lord, Mark Lepper und Elizabeth Preston baten Menschen, „das Gegenteil in Betracht zu ziehen“, bevor sie Belege zu einem Reizthema bewerteten. Ergebnis: weniger Verzerrung. Das Verblüffende daran: Die bloße Aufforderung, fair und unvoreingenommen zu sein, wirkte schwächer. Gute Vorsätze beheben keine Denkfehler. Ein konkreter gedanklicher Handgriff schon.

Heute ausprobieren: Nimm eine Meinung, die dir wichtig ist. Schreib das beste Argument dagegen auf, eines, das ein kluger Gegner wirklich vorbringen würde.

11. Sie ändern ihre Meinung, wenn sich die Beweislage ändert

Diese Gewohnheit trennt Schlaue von Weisen. Viele intelligente Menschen nutzen ihre Intelligenz vor allem, um zu verteidigen, was sie ohnehin glauben. Die wirklich Scharfsinnigen passen ihre Sicht an.

Der Psychologe Jonathan Baron nannte das „actively open-minded thinking“, aktiv offenes Denken: gezielt nach Gegenbelegen suchen und sie fair gewichten. In einer Studie von 1997 mit 349 Studierenden zeigten Keith Stanovich und Richard West, dass Menschen mit dieser Haltung Argumente eher nach ihrer Qualität beurteilten statt danach, ob sie ihnen zustimmten. Sowohl die reine Denkfähigkeit als auch diese offene Haltung sagten voraus, wem das gut gelang.

Die stärksten Belege aus der echten Welt stammen aus der Prognoseforschung. In einem von der US-Regierung finanzierten Wettbewerb schnitten die treffsichersten Vorhersager weltpolitischer Ereignisse, die sogenannten Superforecaster, beim aktiv offenen Denken besser ab als alle anderen, und sie aktualisierten ihre Prognosen häufiger, sobald Neuigkeiten kamen. Fairerweise: In dieser Studie sagten Intelligenz und schlichter Fleiß die Treffsicherheit stärker voraus als der Denkstil. Offenheit ist eine Zutat, nicht das ganze Rezept.

Heute ausprobieren: Frag dich: „Was müsste ich sehen, um meine Meinung dazu zu ändern?“ Wenn die Antwort „nichts“ lautet, ist das bemerkenswert.

12. Sie borgen sich Ideen aus anderen Fachgebieten

Kluge Menschen sind selten nur Spezialisten. Sie tragen Ideen aus der Biologie ins Geschäftsleben, aus der Musik in die Mathematik, und genau diese Kreuzbestäubung bringt oft die guten Einfälle hervor.

Als Brian Uzzi und Kollegen 17,9 Millionen wissenschaftliche Artikel auswerteten, zeigte sich: Die einflussreichste Forschung war überwiegend konventionell, enthielt aber ein paar ungewöhnliche Paarungen, also Vorarbeiten, die sonst selten zusammen auftauchen. So gebaute Artikel wurden etwa doppelt so oft zu Zitier-Hits.

Passend dazu fand das Team um Robert Root-Bernstein, dass Nobelpreisträger fast dreimal so häufig ein ernsthaftes künstlerisches oder handwerkliches Hobby hatten wie typische Wissenschaftler. Das ist eine Korrelation, kein Beweis, dass Aquarellmalen zum Nobelpreis führt. Aber es passt ins Bild: Breite nährt Einsicht.

Heute ausprobieren: Lerne eine Grundidee aus einem Fach, das nichts mit deiner Arbeit zu tun hat. Dann frag dich, wo sie in deinem Job passen könnte.

13. Sie greifen zu einem mentalen Modell, zuerst zur Basisrate

Wenn eine Freundin sagt, ihr neues Café werde ganz sicher laufen, fragt ein kluger Mensch nicht zuerst: „Wie gut ist der Kuchen?“ Sondern: „Wie viele neue Cafés überleben normalerweise?“ Das ist die Basisrate, und sie ist das nützlichste mentale Modell, das du besitzen kannst.

Die Prognoseforschung zeigt, dass man das lernen kann. Im selben Wettbewerb machten Teilnehmende, die ein kurzes Training in Wahrscheinlichkeitsdenken bekamen, unter anderem zu Vergleichsklassen und zur „Außensicht“, treffsicherere Vorhersagen als die ohne Training.

Basisraten sind nur ein Werkzeug in einem größeren Kasten. Unser Artikel über mentale Modelle, die kluge Menschen nutzen, stellt die anderen vor, von der Inversion bis zum Denken in Folgewirkungen.

Heute ausprobieren: Frag vor deiner nächsten Prognose zuerst: „Wie oft passiert so etwas normalerweise?“ Und erst danach: „Was ist an diesem Fall besonders?“

14. Sie schützen ihre Aufmerksamkeit

Du kennst das. Du wechselst von den Mails zum Bericht, aber ein Teil deines Kopfes hängt noch im Posteingang und spielt diese eine Nachricht ab. Sophie Leroy nannte das Aufmerksamkeitsrückstand („attention residue“). In ihren Experimenten von 2009 schnitten Menschen, die eine Aufgabe unfertig verließen, bei der nächsten schlechter ab, weil ihre Aufmerksamkeit noch nicht ganz angekommen war.

Kluge Menschen schützen lange, ungestörte Konzentrationsphasen. Und sie halten das kleine Unbehagen des Nichtstuns aus, was schwerer ist, als es klingt. In einer berühmten Studie in Science von 2014 ließen Timothy Wilson und Kollegen Menschen 15 Minuten allein in einem Raum, nur mit ihren Gedanken und einem Knopf, der einen leichten Stromschlag auslöste. 12 von 18 Männern und 6 von 24 Frauen versetzten sich mindestens einen Schlag, obwohl sie vorher angegeben hatten, sie würden Geld bezahlen, um genau das zu vermeiden. In der Langeweile gewinnt das Handy. Früher fand dort ziemlich viel Denken statt.

Wenn sich deine Aufmerksamkeit zerfleddert anfühlt, mach unseren kostenlosen Konzentrationstest als Ausgangswert und lies unseren Artikel, was du statt Scrollen tun kannst.

Heute ausprobieren: Bring eine Aufgabe komplett zu Ende, bevor du die nächste öffnest. Das Handy liegt währenddessen in einem anderen Zimmer.

15. Sie bleiben mit Absicht neugierig

Jede Gewohnheit auf dieser Liste läuft mit demselben Treibstoff: dem Wunsch, etwas wissen zu wollen. Kluge Menschen behandeln Neugier als etwas, das man füttert, nicht als etwas, das einem zufällig passiert.

Die Psychologen John Cacioppo und Richard Petty nannten diese Eigenschaft „Need for Cognition“, also das Bedürfnis, sich gedanklich anzustrengen. Ihr Überblick von 1996 über mehr als 100 Studien zeigte: Menschen mit einem hohen Wert suchen komplexe Probleme und achten stärker auf die Qualität von Argumenten. Eine Metaanalyse von 2011 um Sophie von Stumm nannte intellektuelle Neugier sogar die „dritte Säule“ schulischer Leistung. Ihr Effekt war etwa so groß wie der von Gewissenhaftigkeit, und beide zusammen kamen an die Intelligenz selbst heran.

Neugier verändert auch, was hängen bleibt. In einer Hirnscan-Studie von 2014 fanden Matthias Gruber und Kollegen: Wenn Menschen neugierig auf die Antwort einer Quizfrage waren, merkten sie sich diese besser, und sogar Gesichter, die ohne jeden Zusammenhang in diesem neugierigen Moment auftauchten. Neugier öffnet ein Fenster, und dein Gehirn greift sich, was gerade hindurchfliegt.

Heute ausprobieren: Leg auf deinem Handy eine Notiz „Worüber ich mich wundere“ an. Jedes Mal, wenn du sonst scrollen würdest, schlägst du stattdessen einen Punkt nach.

Drei „Gewohnheiten kluger Menschen“, die eher Mythen sind

Wer nach Gewohnheiten intelligenter Menschen sucht, stößt auf selbstbewusste Behauptungen, die auf einer einzigen Studie beruhen. Drei der beliebtesten:

  • „Kluge Menschen bleiben lange wach.“ Das stammt aus einer Auswertung von 2009 einer großen US-Befragung: Erwachsene, die als Jugendliche höhere IQ-Werte hatten, gingen etwas später ins Bett. Der Abstand zwischen der höchsten und der niedrigsten Gruppe lag unter einer Stunde, und es ist eine reine Korrelation. Lange aufbleiben macht dich nicht klüger, weniger Schlaf macht dich aber messbar langsamer (siehe Gewohnheit 8).
  • „Ein chaotischer Schreibtisch zeigt einen kreativen Geist.“ Eine Studie von 2013 fand, dass Menschen in einem unordentlichen Raum kreativere Ideen hatten. Eine größere Replikation fand keinerlei Effekt von Unordnung auf Kreativität oder exekutive Funktionen. Halte deinen Schreibtisch, wie du willst; ein Signal ist er nicht.
  • „Wer mehr flucht, ist intelligenter.“ Die Studie dahinter zeigte, dass Menschen, die in einer Minute mehr Schimpfwörter aufzählen konnten, auch insgesamt mehr Wörter aufzählten. Sie widerlegte also die Idee, Fluchen verrate einen kleinen Wortschatz. Dass Fluchen ein Zeichen von Intelligenz sei, hat sie nie gezeigt.

Das Muster: Echte Gewohnheiten kluger Menschen sind Dinge, die du tust und die dir helfen, besser zu lernen oder zu urteilen. Mythen sind Merkmale, die in einem einzelnen Datensatz zufällig mit einem Testwert korrelieren.

Wo du anfängst, ohne ein Projekt daraus zu machen

Fünfzehn Gewohnheiten auf einmal sind zu viel, und der Versuch wäre eine kleine Selbstsabotage. Such dir drei aus. Den größten Ertrag bringen diese:

  1. Dich selbst abfragen (Gewohnheit 2). Sie ist auf dieser Liste am besten belegt.
  2. Eine Nachfrage stellen (Gewohnheit 5). Kostet nichts und zahlt sich in Wissen und Freundschaft aus.
  3. „Ich weiß es nicht“ sagen (Gewohnheit 1). Sie macht die anderen 14 erst möglich.

Neugierig, wo du gerade stehst? Unsere kostenlosen Online-Tests messen Allgemeinwissen, Gedächtnis, Konzentration und mehr. Und einen strukturierten Plan, Woche für Woche, findest du in unserem Leitfaden Intelligenter werden.

Eine kleine tägliche Gewohnheit, die mehrere davon abdeckt

Wir haben NerdSip um einige der Gewohnheiten oben herum gebaut. Du tippst ein Thema ein, das dich neugierig macht (Gewohnheit 15), und bekommst einen faktengeprüften Kurs, der etwa fünf Minuten dauert. Jede Lektion endet mit einer Quizfrage, du fragst dich also selbst ab, statt nur zu lesen (Gewohnheit 2), und ein Wiederholungsmodus holt das Gelernte Tage später zurück (Gewohnheit 3). Ein Genie wird dadurch niemand. Aber die Minuten, die du sonst verscrollen würdest, werden zu etwas, womit dein zukünftiges Ich etwas anfangen kann.

Quellen

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  2. Roediger, H. L., & Karpicke, J. D. (2006). Test-enhanced learning. Psychological Science, 17(3), 249-255.
  3. Cepeda, N. J., et al. (2006). Distributed practice in verbal recall tasks. Psychological Bulletin, 132(3), 354-380.
  4. Cepeda, N. J., et al. (2008). Spacing effects in learning: A temporal ridgeline of optimal retention. Psychological Science, 19(11), 1095-1102.
  5. Stanovich, K. E., & Cunningham, A. E. (1993). Where does knowledge come from? Journal of Educational Psychology, 85(2), 211-229.
  6. Mol, S. E., & Bus, A. G. (2011). To read or not to read. Psychological Bulletin, 137(2), 267-296.
  7. Huang, K., et al. (2017). It doesn't hurt to ask: Question-asking increases liking. Journal of Personality and Social Psychology, 113(3), 430-452.
  8. Nestojko, J. F., et al. (2014). Expecting to teach enhances learning and organization of knowledge in free recall of text passages. Memory & Cognition, 42(7), 1038-1048.
  9. Koh, A. W. L., Lee, S. C., & Lim, S. W. H. (2018). The learning benefits of teaching: A retrieval practice hypothesis. Applied Cognitive Psychology, 32(3), 401-410.
  10. Graham, S., Kiuhara, S. A., & MacKay, M. (2020). The effects of writing on learning in science, social studies, and mathematics: A meta-analysis. Review of Educational Research, 90(2), 179-226.
  11. Lim, J., & Dinges, D. F. (2010). A meta-analysis of the impact of short-term sleep deprivation on cognitive variables. Psychological Bulletin, 136(3), 375-389.
  12. Oppezzo, M., & Schwartz, D. L. (2014). Give your ideas some legs: The positive effect of walking on creative thinking. Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition, 40(4), 1142-1152.
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  15. Stanovich, K. E., & West, R. F. (1997). Reasoning independently of prior belief and individual differences in actively open-minded thinking. Journal of Educational Psychology, 89(2), 342-357.
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  19. Root-Bernstein, R., et al. (2008). Arts foster scientific success. Journal of Psychology of Science and Technology, 1(2), 51-63.
  20. Leroy, S. (2009). Why is it so hard to do my work? The challenge of attention residue when switching between work tasks. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 109(2), 168-181.
  21. Wilson, T. D., et al. (2014). Just think: The challenges of the disengaged mind. Science, 345(6192), 75-77.
  22. Cacioppo, J. T., Petty, R. E., Feinstein, J. A., & Jarvis, W. B. G. (1996). Dispositional differences in cognitive motivation. Psychological Bulletin, 119(2), 197-253.
  23. von Stumm, S., Hell, B., & Chamorro-Premuzic, T. (2011). The hungry mind: Intellectual curiosity is the third pillar of academic performance. Perspectives on Psychological Science, 6(6), 574-588.
  24. Gruber, M. J., Gelman, B. D., & Ranganath, C. (2014). States of curiosity modulate hippocampus-dependent learning via the dopaminergic circuit. Neuron, 84(2), 486-496.
  25. Kanazawa, S., & Perina, K. (2009). Why night owls are more intelligent. Personality and Individual Differences, 47(7), 685-690.
  26. Vohs, K. D., Redden, J. P., & Rahinel, R. (2013). Physical order produces healthy choices, generosity, and conventionality, whereas disorder produces creativity. Psychological Science, 24(9), 1860-1867.
  27. Manzi, A., et al. (2019). Workspace disorder does not influence creativity and executive functions. Frontiers in Psychology, 9, 2662.
  28. Jay, K. L., & Jay, T. B. (2015). Taboo word fluency and knowledge of slurs and general pejoratives. Language Sciences, 52, 251-259.

Häufig gestellte Fragen

Welche Gewohnheiten haben intelligente Menschen?

Am besten belegt sind: „Ich weiß es nicht“ sagen, sich selbst abfragen statt nochmal zu lesen, Lernen über die Zeit verteilen, breit lesen, Nachfragen stellen, anderen erklären, schreiben um zu denken, Schlaf schützen, schwierige Probleme beim Gehen wälzen, gegen die eigene Meinung argumentieren, die Meinung bei neuen Belegen ändern, Ideen aus anderen Fächern borgen, mit Basisraten beginnen, Aufmerksamkeit schützen und neugierig bleiben.

Was machen intelligente Menschen anders?

Vor allem kleine Dinge. Sie prüfen ihr Wissen, indem sie es abrufen statt es nochmal zu lesen, sie fragen nach, bevor sie urteilen, sie schützen konzentrierte Zeit, und sie passen ihre Sicht an, wenn neue Belege auftauchen. Nichts davon setzt einen hohen IQ voraus.

Bleiben intelligente Menschen länger wach?

Eine Studie von 2009 fand, dass Menschen, die als Jugendliche höhere IQ-Werte hatten, als Erwachsene etwas später ins Bett gingen, mit weniger als einer Stunde Unterschied zwischen der höchsten und der niedrigsten Gruppe. Das ist nur eine Korrelation. Lange aufbleiben macht nicht klüger, Schlafmangel schadet dagegen klar der Aufmerksamkeit und dem Arbeitsgedächtnis.

Ist „Ich weiß es nicht“ ein Zeichen von Intelligenz?

Es ist ein Zeichen intellektueller Demut, und die hängt mit besserem Denken zusammen. In Studien von Mark Leary und Kollegen konnten intellektuell demütige Menschen starke von schwachen Argumenten besser unterscheiden und verurteilten andere seltener für eine abweichende Meinung.

Welche Gewohnheit ist am besten belegt?

Sich selbst abfragen, auch Abrufübung genannt. In einem klassischen Experiment wussten Studierende, die einen Text aus dem Gedächtnis wiedergegeben hatten, eine Woche später noch 61 Prozent davon, gegenüber 40 Prozent bei denen, die ihn immer wieder gelesen hatten.

Steigern diese Gewohnheiten den IQ?

Direkt nicht, soweit die Forschung zeigt. Sie helfen dir, mehr zu lernen, es länger zu behalten und Belege besser zu beurteilen, und genau so sieht Intelligenz im Alltag meistens aus. Was die Wissenschaft zur Frage sagt, ob Erwachsene ihren IQ steigern können, steht in unserem Artikel „Kann man intelligenter werden?“.

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Redaktionell verantwortlich: ai51 UG (haftungsbeschränkt). Der verantwortliche Redakteur ist im Impressum benannt.

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