Kurz erklärt: Advent kommt vom lateinischen adventus, „Ankunft“, und bezeichnet die vier Wochen vor Weihnachten, in denen Christen sich auf die Geburt Jesu vorbereiten. Mit dem ersten Advent beginnt das neue Kirchenjahr. 2026 ist der erste Advent am 29. November, die weiteren Adventssonntage sind der 6., 13. und 20. Dezember. Der erste Adventskranz hing 1839 in Hamburg und trug über zwanzig Kerzen, den ersten gedruckten Adventskalender gab es 1902.
Die Adventszeit hat einen merkwürdigen Doppelcharakter. Heute denkt man an Plätzchen, Lichterketten und Türchen voller Schokolade, gedacht war sie ursprünglich als Fastenzeit. Und fast alles, was du im Advent auf den Tisch stellst, ist jünger, als es aussieht: Der Adventskranz ist keine 200 Jahre alt, der gedruckte Adventskalender keine 130.
Was bedeutet Advent?
Das Wort kommt vom lateinischen adventus, „Ankunft“. In der Antike war das zunächst kein frommes Wort. Ein adventus war der feierliche Empfang eines Herrschers oder hohen Amtsträgers, der in eine Stadt einzog, mit Prozession, Publikum und viel Zeremoniell, wie Historiker der Universität Hamburg erklären. Die Christen übernahmen den Begriff für die Ankunft Christi, den adventus Domini.
Gemeint ist dabei mehr als ein Datum im Dezember. Der Advent erinnert an die Geburt Jesu in Bethlehem und blickt zugleich nach vorn, auf die Wiederkunft Christi am Ende der Zeit. Deshalb ist er in der Kirche eine Zeit der Vorbereitung und nicht einfach die Vorweihnachtszeit. Und weil die Vorbereitung am Anfang steht, beginnt mit dem ersten Advent das neue Kirchenjahr.
Erster Advent 2026 und alle Adventssonntage
Der erste Advent 2026 fällt auf Sonntag, den 29. November. Weil Heiligabend in diesem Jahr ein Donnerstag ist, dauert die Adventszeit 26 Tage, und der zweite Advent fällt auf den Nikolaustag.
| Tag | Datum 2026 | Wochentag | Was dazugehört |
|---|---|---|---|
| 1. Advent | 29. November | Sonntag | Beginn des Kirchenjahres, die erste Kerze |
| Barbaratag | 4. Dezember | Freitag | Tag für die Barbarazweige |
| 2. Advent | 6. Dezember | Sonntag | zugleich Nikolaustag |
| 3. Advent | 13. Dezember | Sonntag | Gaudete, die rosa Kerze |
| 4. Advent | 20. Dezember | Sonntag | alle vier Kerzen brennen |
| Heiligabend | 24. Dezember | Donnerstag | Ende der Adventszeit |
So wird der erste Advent berechnet
Der erste Advent ist der vierte Sonntag vor dem ersten Weihnachtstag. Rechne vom 25. Dezember aus zurück: Der letzte Sonntag davor ist der vierte Advent, drei Wochen früher liegt der erste. Daraus folgt eine einfache Regel. Der erste Advent ist immer der Sonntag zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember.
Je nachdem, auf welchen Wochentag Weihnachten fällt, ist die Adventszeit deshalb zwischen 22 und 28 Tage lang. Fällt Heiligabend auf einen Sonntag, wie zuletzt 2023, dann sind vierter Advent und Heiligabend derselbe Tag und der Advent ist so kurz wie möglich. 2027 liegt der erste Advent am 28. November.
Merksatz: Der erste Advent liegt nie vor dem 27. November und nie nach dem 3. Dezember. Genau eine Woche vorher ist der letzte Sonntag des Kirchenjahres, bei den Evangelischen Ewigkeitssonntag oder Totensonntag, bei den Katholiken Christkönigssonntag. 2026 ist das der 22. November.
Woher die Adventszeit kommt
Weil das Geburtsdatum Jesu nicht überliefert ist, feierte die frühe Kirche sein Geburtsfest zunächst zu unterschiedlichen Zeiten. Als sich Weihnachten durchsetzte, bekam es eine Vorbereitungszeit nach dem Vorbild von Ostern. Die dauerte ursprünglich 40 Tage, genau wie die Fastenzeit vor Ostern, und begann deshalb um den 11. November, den Martinstag. An ihm wurde noch einmal aufgetischt, was in der Fastenzeit nicht erlaubt war, ein Grund, warum der Martinstag bis heute ein Festessen kennt.
Die Zahl der vier Sonntage legte Papst Gregor der Große fest, der von 590 bis 604 amtierte, wie religion.ORF.at zusammenfasst. Ganz einheitlich wurde es trotzdem nie. Im ambrosianischen Ritus des Erzbistums Mailand hat der Advent bis heute sechs Sonntage und beginnt nach dem Martinstag. Und 1038 musste sogar ein Kaiser eingreifen: Konrad II. setzte am 3. Dezember auf einer Synode im Kloster Limburg durch, dass der Advent nicht verlängert wurde.
Vom Fasten ist heute kaum etwas übrig. Geblieben ist die liturgische Farbe Violett, die Farbe der Besinnung und Buße, die Priester in der Adventszeit tragen.
Adventskranz Geschichte: ein Wagenrad in Hamburg
Den ersten Adventskranz hängte Johann Hinrich Wichern 1839 im Betsaal des Rauhen Hauses in Hamburg-Horn auf. Wichern war evangelischer Theologe und hatte das Rauhe Haus als Heim für Kinder aus den ärmsten Vierteln Hamburgs gegründet. Die Kinder fragten ihn im Advent immer wieder, wann denn endlich Weihnachten sei. Seine Antwort war ein hölzernes Wagenrad mit Kerzen, eine für jeden Tag bis Heiligabend.
Wie viele Kerzen das waren, hing vom Kalender ab, je nach Jahr zwischen 22 und 28. Mit dem Kalender von 2026 hätte Wicherns Rad 26 Kerzen getragen. Oft liest man, es seien vier große weiße Kerzen für die Sonntage und kleine rote für die Werktage gewesen. Das ist die bekannte Version, aber sie ist nicht gesichert. Die einzige erhaltene Abbildung im Archiv des Rauhen Hauses, eine Schwarz-Weiß-Skizze, zeigt alle Kerzen gleich groß, berichtet evangelisch.de.
Tannengrün bekam der Leuchter erst um 1860. Danach verbreitete sich der Kranz langsam, zuerst in evangelischen Häusern und Gemeinden. In einer katholischen Kirche hing der erste Adventskranz 1925 in Köln, in München tauchte er 1930 auf.
Warum hat der Adventskranz vier Kerzen?
Weil ein Wagenrad mit zwei Dutzend Kerzen in kaum ein Wohnzimmer passt. Für den Hausgebrauch schrumpfte der Kranz auf die Sonntage: Jede der vier Kerzen steht für einen Adventssonntag. Am ersten Advent brennt eine, am vierten brennen alle vier. Damit zeigt der Kranz bis heute, was Wicherns Rad zeigen sollte, nämlich wie viel Warten noch übrig ist, nur eben in Wochen statt in Tagen.
Violett, Rosa oder Rot: die Farben der Kerzen
Eine liturgische Vorschrift für die Farbe der Kerzen gibt es nicht, betont katholisch.de. In Deutschland waren lange rote Kerzen üblich, und viele Kränze tragen sie bis heute. Die Variante mit drei violetten und einer rosa Kerze folgt den liturgischen Farben und ist nach katholisch.de ein Reimport aus Amerika, wo sich unter anderem der Priester Martin Hellriegel für sie eingesetzt hat.
Violett steht für Besinnung und Vorbereitung. Die rosa Kerze gehört zum dritten Advent, dem Sonntag Gaudete. Der Name kommt vom ersten Wort des lateinischen Eröffnungsverses „Gaudete in Domino semper“, „Freut euch im Herrn allezeit“, aus dem Brief des Paulus an die Philipper. Rosa ist aufgehelltes Violett: Die Hälfte des Wartens ist geschafft, die Freude schimmert schon durch. 2026 ist Gaudete am 13. Dezember.
Adventskalender Geschichte: von Kreidestrichen zu Türchen
Vor dem gedruckten Kalender gab es selbstgemachte Zählhilfen, vor allem in evangelischen Familien des 19. Jahrhunderts. Manche malten 24 Kreidestriche an Tür oder Wand, und die Kinder durften jeden Tag einen wegwischen. In katholischen Häusern legten Kinder jeden Tag einen Strohhalm in die Krippe, damit das Jesuskind an Heiligabend weich liegt. Andere hängten nach und nach 24 Bilder auf.
Den ersten gedruckten Adventskalender brachte 1902 die Evangelische Buchhandlung Friedrich Trümpler in Hamburg heraus, eine „Weihnachtsuhr für Kinder“, deren Zifferblatt die Zahlen 13 bis 24 zeigte. Kurz darauf folgte der Mann, der als eigentlicher Vater des Adventskalenders gilt: Gerhard Lang, Pfarrerssohn aus Maulbronn. Seine Mutter hatte ihm als Kind 24 Wibele, ein kleines Gebäck aus Hohenlohe, auf einem Karton befestigt, von dem er jeden Tag eines nehmen durfte. Als Verleger in München machte Lang daraus „Im Lande des Christkinds“: ein Bogen mit 24 Bildern zum Ausschneiden und einer mit 24 Feldern zum Aufkleben. Je nach Quelle erschien er 1903 oder 1904.
Nach 1920 kamen Kalender mit Türchen auf, hinter denen Bilder steckten. Lang produzierte bis 1940, dann beendeten Papiermangel im Krieg und die Konkurrenz sein Geschäft. Nach dem Krieg erhielt der Stuttgarter Verleger Richard Sellmer von der amerikanischen Besatzung die Erlaubnis, wieder Kalender zu drucken. Sein erster, „Die kleine Stadt“ von 1946, ist bis heute im Handel. Den ersten mit Schokolade gefüllten Kalender verzeichnet die Geschichte des Adventskalenders für 1958.
Übrigens hatten frühe Kalender oft nicht 24 Felder, sondern so viele, wie der Advent in diesem Jahr Tage hatte. Die feste 24 setzte sich erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts durch, berichtet das Sonntagsblatt.
Barbarazweige am 4. Dezember
Am 4. Dezember, dem Gedenktag der heiligen Barbara, schneiden viele Zweige von Kirsche, Apfel oder Forsythie und stellen sie in der warmen Wohnung ins Wasser. Mit etwas Glück blühen sie an Heiligabend, und im Volksglauben gilt das als gutes Zeichen für das neue Jahr. Den Brauch gibt es nach katholisch.de seit dem 17. Jahrhundert. 2026 ist der Barbaratag ein Freitag.
Er geht auf eine Legende zurück: Barbara soll auf dem Weg ins Gefängnis mit ihrem Gewand an einem Zweig hängen geblieben sein. Sie stellte ihn in Wasser, und er blühte an dem Tag, an dem sie als Märtyrerin starb. Bei Barbara ist die Quellenlage noch dünner als beim Nikolaus. Weil ihre historische Existenz so unsicher ist, strich die katholische Kirche sie 1969 aus dem allgemeinen Kalender. Im deutschen Sprachraum war sie so beliebt, dass sie 1972 in den regionalen Kalender zurückkehrte.
Nikolaus mitten im Advent
2026 fallen zwei Adventstermine zusammen: Der zweite Advent ist zugleich Nikolaustag. Wer der Bischof war, dem am 6. Dezember die Stiefel gelten, was an ihm belegt ist und was Legende, und warum er mancherorts mit Knecht Ruprecht oder dem Krampus kommt, steht in der Geschichte vom Nikolaus.
Zum Weiterlesen
Überraschendes rund um das Fest steht in den Weihnachts-Fakten. Fragen für die Adventssonntage mit der Familie findest du im Weihnachtsquiz und in den Weihnachtsrätseln, und für die Firmenfeier gibt es Spiele für die Weihnachtsfeier. Auf der Weihnachtsseite läuft der Countdown bis Heiligabend, samt kostenlosem Quiz. Wer im Advent jeden Tag ein Türchen Wissen öffnen will, findet Nachschub bei unnützem Wissen und in den Quizfragen, oder in der NerdSip-App, die aus fast jedem Thema einen Kurs für fünf Minuten macht.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Advent?
Advent kommt vom lateinischen „adventus“ und bedeutet „Ankunft“. In der Antike bezeichnete das Wort den feierlichen Empfang eines Herrschers, die Christen übernahmen es für die Ankunft Christi. Die Adventszeit umfasst die vier Sonntage vor Weihnachten und dient der Vorbereitung auf das Fest der Geburt Jesu. Mit dem ersten Advent beginnt das neue Kirchenjahr.
Wann ist der erste Advent 2026?
Der erste Advent 2026 ist Sonntag, der 29. November 2026. Die weiteren Adventssonntage sind der 6. Dezember (zugleich Nikolaustag), der 13. Dezember und der 20. Dezember. Heiligabend fällt 2026 auf einen Donnerstag, die Adventszeit dauert damit 26 Tage.
Wie wird der erste Advent berechnet?
Der erste Advent ist der vierte Sonntag vor dem ersten Weihnachtstag am 25. Dezember. Praktisch heißt das: Er ist immer der Sonntag zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember. Deshalb ist die Adventszeit je nach Jahr zwischen 22 und 28 Tage lang. Fällt Heiligabend auf einen Sonntag, sind vierter Advent und Heiligabend derselbe Tag.
Wer hat den Adventskranz erfunden?
Der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern, 1839 im Rauhen Haus in Hamburg, einem Heim für Kinder aus armen Verhältnissen. Sein Kranz war ein hölzernes Wagenrad mit einer Kerze für jeden Tag bis Heiligabend, je nach Jahr 22 bis 28 Stück. Tannengrün kam erst um 1860 dazu, in katholischen Kirchen tauchte der Kranz ab 1925 auf.
Warum hat der Adventskranz vier Kerzen?
Jede Kerze steht für einen der vier Adventssonntage. Wicherns ursprünglicher Kranz hatte noch eine Kerze für jeden Tag, bis zu 28 Stück, und war für ein Wohnzimmer viel zu groß. Die kleinere Variante mit vier Kerzen setzte sich deshalb im Hausgebrauch durch. Am ersten Advent brennt eine Kerze, am vierten brennen alle.
Warum ist die dritte Kerze am Adventskranz rosa?
Die rosa Kerze gehört zum dritten Advent, dem Sonntag Gaudete, benannt nach dem lateinischen Eröffnungsvers „Gaudete in Domino semper“, „Freut euch im Herrn allezeit“. Violett ist die Farbe der Vorbereitung und Besinnung, Rosa ist aufgehelltes Violett und steht für die Vorfreude zur Halbzeit des Advents. Eine kirchliche Vorschrift für die Kerzenfarben gibt es allerdings nicht.
Seit wann gibt es Adventskalender?
Selbstgemachte Vorläufer wie Kreidestriche an der Tür gab es im 19. Jahrhundert. Der erste gedruckte Adventskalender war 1902 eine „Weihnachtsuhr für Kinder“ aus einer Hamburger Buchhandlung. Als Vater des Adventskalenders gilt der Münchner Verleger Gerhard Lang, dessen Kalender „Im Lande des Christkinds“ 1903 oder 1904 erschien. Türchen gibt es seit den 1920er-Jahren, Schokolade seit 1958.
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