Kurz erklärt: Der heilige Nikolaus war im 4. Jahrhundert Bischof von Myra, einer Stadt in der heutigen Türkei, und starb an einem 6. Dezember. Viel mehr ist historisch nicht gesichert. Die berühmten Geschichten über ihn sind Legenden, aufgeschrieben Jahrhunderte nach seinem Tod. Aus einer davon, den drei Goldklumpen für drei arme Töchter, ist der Stiefel vor deiner Tür geworden. Nikolaustag 2026 ist Sonntag, der 6. Dezember, und fällt damit auf den zweiten Advent.
Kaum eine Figur ist so bekannt und zugleich so dünn belegt. Der Mann, dem Kinder jedes Jahr ihre geputzten Stiefel hinstellen, hat keine einzige Zeile hinterlassen, und seine älteste vollständige Lebensbeschreibung ist rund 500 Jahre jünger als er. Trotzdem lässt sich ziemlich genau nachzeichnen, wie aus einem Bischof in Kleinasien der Nikolaus wurde, dazu Knecht Ruprecht, der Krampus und am Ende Santa Claus.
Wann ist Nikolaustag 2026?
Nikolaustag ist immer am 6. Dezember, dem überlieferten Todestag des Heiligen. 2026 fällt er auf einen Sonntag und damit genau auf den zweiten Advent. Die Stiefel kommen wie immer am Vorabend vor die Tür, also am Samstag, dem 5. Dezember.
| Datum | Wochentag | Was passiert |
|---|---|---|
| 5. Dezember 2026 | Samstag | Stiefel putzen und vor die Tür stellen; in Bayern und Österreich Krampusabend; in den Niederlanden pakjesavond |
| 6. Dezember 2026 | Sonntag | Nikolaustag und zugleich 2. Advent |
Kein Feiertag: Der Nikolaustag ist ein kirchlicher Gedenktag, aber in keinem Bundesland ein gesetzlicher Feiertag. 2026 spielt das keine Rolle, denn er fällt ohnehin auf einen Sonntag.
Wer war der heilige Nikolaus?
Sicher ist erstaunlich wenig. Nikolaus war Bischof von Myra in der römischen Provinz Lykien, dem heutigen Demre an der türkischen Südküste. Geboren wurde er der Überlieferung nach im nahen Patara. Gestorben ist er an einem 6. Dezember, nach Angaben von katholisch.de in einem Jahr zwischen 345 und 351. Das ist der Kern. Alles Weitere steht auf wackligen Beinen.
Das Problem sind die Quellen. Die älteste vollständige Lebensbeschreibung schrieb ein Mönch namens Michael der Archimandrit im 9. Jahrhundert, rund 500 Jahre nach Nikolaus' Tod. Die Überlieferung lässt Nikolaus 325 am Konzil von Nicäa teilnehmen, aber zwei Zeitgenossen, die selbst dort waren und darüber geschrieben haben, Athanasius und Eusebius, erwähnen ihn mit keinem Wort.
Dazu kommt eine Verwechslung, die schon im Mittelalter passiert ist. Im 6. Jahrhundert lebte in derselben Gegend ein zweiter Nikolaus, Abt des Klosters Sion und später Bischof von Pinara, gestorben 564. Die Geschichten beider Männer sind zu einer einzigen Figur verschmolzen, wie das Magazin Monumente der Deutschen Stiftung Denkmalschutz beschreibt. Das Bistum Würzburg spricht deshalb ganz offen von einer Figur, die aus zwei historischen Personen zusammengesetzt ist.
| Was als belegt gilt | Was Legende ist |
|---|---|
| Nikolaus war im 4. Jahrhundert Bischof von Myra in Lykien | Die drei Goldklumpen für drei arme Töchter |
| Er starb an einem 6. Dezember, wohl zwischen 345 und 351 | Die Rettung von Seeleuten aus dem Sturm |
| Sein Grab lag in der Nikolauskirche von Myra | Die Ohrfeige für den Irrlehrer Arius in Nicäa, erstmals im 14. Jahrhundert erzählt |
| 1087 brachten Seeleute seine Gebeine nach Bari | Die Auferweckung von drei getöteten Schülern, ein Zusatz aus dem Mittelalter |
Die Legende von den drei Goldklumpen
Die wichtigste Nikolaus-Geschichte für den 6. Dezember erzählt von einem verarmten Vater mit drei Töchtern. Ohne Mitgift konnte keine von ihnen heiraten, und dem Vater blieb nach der Legende nur ein Ausweg: sie in die Prostitution zu schicken. Nikolaus erfuhr davon und warf in drei aufeinanderfolgenden Nächten heimlich je einen Klumpen Gold durchs Fenster, genug für eine Mitgift. In manchen Fassungen fällt das Gold durch den Kamin. In der dritten Nacht passte der Vater ihn ab, und Nikolaus bat ihn, niemandem davon zu erzählen.
Die Geschichte taucht zuerst in Michaels Lebensbeschreibung aus dem 9. Jahrhundert auf. Ob ein wahrer Kern darin steckt, ist unter Fachleuten umstritten. Für den Brauch spielt das keine Rolle, denn aus ihr stammt fast alles, was am Nikolaustag bis heute passiert: das heimliche Schenken in der Nacht, die drei goldenen Kugeln, mit denen der Heilige oft dargestellt wird, und die Mandarinen und Äpfel im Stiefel, die an diese Kugeln erinnern sollen.
Von Myra nach Bari: der Raub von 1087
Im 11. Jahrhundert geriet Myra unter Druck. Nach der Niederlage von Byzanz gegen die Seldschuken bei Manzikert 1071 lag die Stadt im umkämpften Grenzland, die Bewohner flohen in die Berge. Im Frühjahr 1087 landeten Seeleute aus der süditalienischen Hafenstadt Bari, brachen das Grab in der Nikolauskirche auf und nahmen die Gebeine mit. Am 9. Mai 1087 kamen sie in Bari an, wie die Überlieferung zur Translation festhält. Einige Jahre später holten Venezianer, was in Myra noch übrig war, nach Venedig.
Über dem Grab in Bari entstand die Basilika San Nicola, bis heute ein Wallfahrtsort für katholische und orthodoxe Christen gleichermaßen. Als im Sommer 2017 Reliquien aus Bari für einige Wochen nach Russland ausgeliehen wurden, kamen laut katholisch.de mehr als 2,5 Millionen Menschen, um sie zu sehen.
Wie der Nikolaus nach Deutschland kam
Im Westen war Nikolaus schon vor dem Raub bekannt. Einen kräftigen Schub gab ihm die byzantinische Prinzessin Theophanu, die 972 Kaiser Otto II. heiratete und die Verehrung des Heiligen aus ihrer Heimat mitbrachte. Im Mittelalter wurde Nikolaus zu einem der beliebtesten Heiligen überhaupt, Schutzpatron der Seeleute und vor allem der Kinder.
Besonders in den Kloster- und Domschulen hatte er seinen festen Platz. Dort wählten die Schüler einen Kinderbischof aus ihrer Mitte, der mit Mitra und Stab für kurze Zeit die Rolle der Erwachsenen übernahm, je nach Ort am 28. Dezember, dem Tag der Unschuldigen Kinder, oder am Nikolaustag. Reformation und Aufklärung haben den Brauch beendet, einige Orte wie Hamburg haben ihn wiederbelebt.
Warum stellt man am Nikolaustag Stiefel vor die Tür?
Der Stiefel ist die Fortsetzung der Goldklumpen-Legende. Der Heilige beschenkt heimlich in der Nacht, und wer beschenkt werden will, stellt etwas bereit, in das die Gaben passen. Volkskundler nennen das den Einlegebrauch.
Ursprünglich waren das keine Stiefel. Kinder bastelten kleine Schiffchen aus Papier, in die der Nikolaus seine Gaben legen sollte, eine Anspielung auf seine Rolle als Patron der Seeleute. Später traten an die Stelle der Schiffchen Schuhe, Stiefel, Strümpfe oder ein Gabenteller, wie das Bistum Würzburg beschreibt. Wer am Abend des 5. Dezember seinen Stiefel putzt, macht also dasselbe wie Kinder vor Jahrhunderten, nur mit robusterem Material.
Im 17. Jahrhundert kam in katholischen Gegenden eine zweite Form hinzu, der Einkehrbrauch. Hier erscheint der Nikolaus selbst im Haus, fragt, ob die Kinder brav waren, liest aus seinem goldenen Buch vor und verteilt Gaben. Der Besuch sollte auch belehren, und dafür brauchte der gütige Bischof jemanden, der den unangenehmen Teil übernahm.
Knecht Ruprecht: der dunkle Begleiter
Dieser Jemand heißt in weiten Teilen Deutschlands Knecht Ruprecht. Er trägt die Rute, droht den Unartigen und nimmt dem Nikolaus die Rolle des Strafenden ab. Die Aufgaben sind klar verteilt: Der Bischof lobt und schenkt, der Knecht mahnt und straft. Katholisch.de datiert die ersten Belege der Figur ins 16. Jahrhundert.
Woher der Name kommt, ist nicht geklärt. Jacob Grimm wollte in Ruprecht einen germanischen Gott erkennen, was die heutige Forschung ablehnt. Eine andere Deutung verbindet ihn mit den Perchten, den Winterfiguren der Alpen. Sicher ist nur, dass es ihn in vielen regionalen Spielarten gibt, als Belzenickel in der Pfalz, als Hans Muff im Rheinland oder als Schmutzli in der Schweiz.
Seinen berühmtesten Auftritt hat er in einem Gedicht. Theodor Storm schrieb 1862 „Knecht Ruprecht“, das mit den Zeilen „Von drauß' vom Walde komm ich her; / Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!“ beginnt. Bei Storm kommt Ruprecht allerdings im Auftrag des Christkinds, nicht des Nikolaus.
Krampus: der Schreck aus den Alpen
In Bayern, Österreich und Südtirol begleitet den Nikolaus eine deutlich wildere Gestalt: der Krampus, mit Fell, Hörnermaske, Ketten und Rute. Sein Abend ist der 5. Dezember, der Vorabend des Nikolaustags, an dem vielerorts Krampusläufe stattfinden. 2026 ist das ein Samstag.
Wie alt der Brauch ist, weiß niemand genau. Die Österreichische Nationalbibliothek hält seinen Ursprung für ungeklärt. Oft liest man, der Krampus stamme aus vorchristlicher Zeit, belegt ist das nicht. Greifbar wird er in den Nikolausspielen der Gegenreformation, in denen katholische Orte mit Bischof und Teufel sehr anschaulich vorführten, was Belohnung ist und was Strafe. Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts kamen dann Krampuskarten auf, Grußkarten mit dem gehörnten Begleiter, die heute Sammlerstücke sind.
Luther und das Christkind
Dass in vielen deutschen Familien das Christkind die Geschenke bringt, an Heiligabend und nicht am 6. Dezember, geht auf die Reformation zurück. Martin Luther lehnte die Heiligenverehrung ab, und ein Heiliger als Gabenbringer passte nicht dazu. Die Bescherung abschaffen wollte er aber nicht. Nach einer Auswertung der Volkskundlerin Erika Kohler beschenkte Luther seine Kinder ab 1531 im Namen des „Heiligen Christ“, und zwar zu Weihnachten.
Je weiter sich die Reformation ausbreitete, desto mehr verdrängte das Christkind den Nikolaus, fasst die Evangelische Kirche in Deutschland zusammen. Die Pointe folgte später. Bis ins 20. Jahrhundert wanderte das Christkind in die katholischen Gegenden, nach Bayern und ins Rheinland, während sich in vielen evangelischen Regionen der Weihnachtsmann durchsetzte. Die Figur, die ein Reformator populär gemacht hatte, ist heute vor allem im katholischen Süden und Westen zu Hause.
Sinterklaas, Santa Claus und der Weihnachtsmann
In den Niederlanden hat der Nikolaus die Reformation besser überstanden. Sinterklaas kommt dort jedes Jahr im November mit dem Dampfschiff aus Spanien an und bringt die Geschenke am Abend des 5. Dezember, dem pakjesavond. Das Dampfschiff ist jünger, als es wirkt. Es geht auf den Amsterdamer Lehrer Jan Schenkman zurück, dessen Bilderbuch von 1850 und dessen Lied „Zie ginds komt de stoomboot“ die Ankunft aus Spanien populär machten.
Niederländische Siedler brachten Sinterklaas im 17. Jahrhundert nach Nieuw Amsterdam, dem späteren New York. Der Schriftsteller Washington Irving machte daraus 1809 in seiner satirischen „History of New York“ einen gemütlichen, pfeiferauchenden Holländer. 1823 erschien das Gedicht „A Visit from St. Nicholas“, heute bekannt als „The Night Before Christmas“, mit Schlitten, Rentieren und dem Weg durch den Kamin. Sein Aussehen bekam Santa Claus von einem Pfälzer: Der in Landau geborene Zeichner Thomas Nast zeichnete ihn ab 1863 für das Magazin Harper's Weekly, rundlich, mit weißem Bart und einer Werkstatt am Nordpol.
Mythos Coca-Cola: Coca-Cola hat den Weihnachtsmann weder erfunden noch rot angezogen. Rote Anzüge mit weißem Pelz trug Santa Claus auf Zeitschriftentiteln und in Anzeigen schon Jahrzehnte früher. Die Firma ließ ihn ab 1931 von Haddon Sundblom malen und hat dieses Bild weltweit verbreitet, aber nicht geschaffen (Faktencheck).
Der deutsche Weihnachtsmann ist ein Verwandter dieser Figur: ein Gabenbringer ohne Bischofsmütze und ohne eigenen Heiligentag. Der Nikolaus trägt dagegen bis heute Mitra und Bischofsstab, und wer genau hinsieht, erkennt den Unterschied in jedem Schokoladenregal.
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Häufig gestellte Fragen
Wann ist Nikolaustag 2026?
Nikolaustag 2026 ist Sonntag, der 6. Dezember 2026. Er fällt damit auf denselben Tag wie der zweite Advent. Die Stiefel stellt man am Vorabend vor die Tür, 2026 also am Samstag, dem 5. Dezember. Ein gesetzlicher Feiertag ist der Nikolaustag in Deutschland nicht.
Wer war der heilige Nikolaus?
Nikolaus war im 4. Jahrhundert Bischof von Myra in Lykien, dem heutigen Demre in der Türkei. Er starb an einem 6. Dezember, vermutlich zwischen 345 und 351. Mehr ist historisch kaum gesichert: Seine älteste vollständige Lebensbeschreibung entstand erst im 9. Jahrhundert, und seine Legenden vermischen sich mit denen eines zweiten Nikolaus, eines Abts von Sion, der 564 starb. 1087 brachten Seeleute seine Gebeine nach Bari in Italien.
Warum stellt man am Nikolaustag Stiefel vor die Tür?
Der Brauch geht auf die Legende zurück, nach der Nikolaus drei armen Schwestern heimlich nachts Gold als Mitgift durchs Fenster warf. Daraus entstand der Einlegebrauch: Kinder stellen etwas bereit, in das der Heilige nachts seine Gaben legt. Früher waren das kleine Papierschiffchen, ein Hinweis auf Nikolaus als Patron der Seeleute. Später wurden daraus Schuhe, Stiefel, Strümpfe oder Teller.
Wer ist Knecht Ruprecht?
Knecht Ruprecht ist der strafende Begleiter des Nikolaus in weiten Teilen Deutschlands. Er trägt eine Rute und übernimmt den Teil des Nikolausbesuchs, der den unartigen Kindern gilt, während der Bischof lobt und schenkt. Belege reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück, die Herkunft des Namens ist ungeklärt. Regional heißt er auch Belzenickel, Hans Muff oder in der Schweiz Schmutzli.
Was ist der Unterschied zwischen Krampus und Knecht Ruprecht?
Beide sind strafende Begleiter des Nikolaus, aber aus verschiedenen Regionen. Knecht Ruprecht ist in weiten Teilen Deutschlands verbreitet und tritt als dunkel gekleideter Knecht mit Rute auf. Der Krampus stammt aus dem Alpenraum, also Bayern, Österreich und Südtirol, und ist eine teuflische Gestalt mit Fell, Hörnern und Ketten. Seinen großen Auftritt hat er bei den Krampusläufen am Abend des 5. Dezember.
Warum bringt bei manchen das Christkind die Geschenke und nicht der Nikolaus?
Das geht auf Martin Luther zurück. Er lehnte die Heiligenverehrung ab und verlegte die Bescherung vom Nikolaustag auf Weihnachten, als Gabenbringer diente der „Heilige Christ“. Nach Forschungen der Volkskundlerin Erika Kohler beschenkte Luther seine eigenen Kinder ab 1531 auf diese Weise. Das Christkind breitete sich danach aus und ist heute vor allem im katholischen Süden und Westen Deutschlands üblich.
Hat Coca-Cola den Weihnachtsmann erfunden?
Nein. Santa Claus geht auf den niederländischen Sinterklaas zurück, den Siedler im 17. Jahrhundert nach New York brachten. Washington Irving (1809), das Gedicht „A Visit from St. Nicholas“ (1823) und der aus Landau stammende Zeichner Thomas Nast formten die Figur. Rot gekleidet war Santa schon lange vor 1931. Coca-Cola hat das Bild mit den Gemälden von Haddon Sundblom nur weltweit verbreitet.
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